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bestimmbaren Sribst (dem denkenden Subject), wie Erkenntniß vom Gegenstande unterschieden sei. Gleichwohl ist nichts natürlicher und verführerischer, als der Schein, die Einheit in der Synthesis der Gedanken für eine wahrgenommene Einheit im Subjecte dieser Gedanken zu halten. Man könnte ihn die Subreption des hypostafirten Bewußtseins (apperceptionis substantiatae) nennen.

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Wenn man den Paralogismus in den dialektischen Vernunftschlüssen der rationalen Seelenlehre, sofern sie gleichwohl richtige Prámissen haben, logisch betiteln will, so kann er für ein sophisma figurae dictionis gelten, in welchem der Obersaß von der Kategorie, in Ansehung ihrer Bedingung, einen blos transscendentalen Gebrauch, der Untersaß aber und der Schlußsaß in Ansehung der Seele, die unter diese Bedingung subsumirt worden, von eben der Kategorie einen empirischen Gebrauch macht. So ist z. B. der Begriff der Substanz in dem Paralogismus der Simplicitât ein reiner intellectueller Begriff, der ohne Bedingung der finnlichen Anschauung blos von transscendentalem d. i. von gar keinem Gebrauch ist. Im Un tersage ist aber eben derselbe Begriff auf den Gegenstand aller inneren Erfahrung angewandt, ohne doch die Bedingung seiner Anwendung in concreto, námlich die Beharrlichkeit desselben, voraus festzusehen und zum Grunde zu legen,, und daher ein empirischer, obzwar hier unzulässiger Gebrauch davon gemacht worden.

1.

Um endlich den systematischen Zusammenhang aller dieser dialektischen Behauptungen in einer, vernünftelnden Seelenlehre, in einem Zusammenhange der reinen Vernunft, mithin die Vollståndigkeit derselben zu zeigen, so merke man, daß die Apperception durch alle Classen der Kategorien, aber nur auf diejenigen Verstandesbegriffe durchgeführt werde, welche in jeder derselben den übrigen zum Grunde der Einheit in einer möglichen Wahrnehmung liegen, folglich: Subsistenz, Realität, Einheit (nicht Vielheit) und Eristenz, nur daß die Vernunft sie hier alle als Bedingungen der Möglichkeit eines denkenden Wesens, die selbst unbedingt sind, vorstellt. Also erkennt die Seele an sich selbst

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1.

die unbedingte Einheit des Verhältnisses

d. i. sich selbst, nicht als inhärirend, sondern subsistirend

2.

die unbedingte Einheit

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der Qualität die

b. i. nicht als reales Ganze,
-- › ' sondern einfach *)
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3.

die unbedingte Einheit bei der Vielheit in der Zeit, d. i. nicht in verschiedenen Zeiten

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die unbedingte Einheit

dés Daseins im Raume,

d. i. nicht als das Bewußtsein mehrerer Dinge außer ihr,
sondern nur des Daseins ihrer selbst,

anderer Dinge aber, blos als ihrer Vorstellungen.

Vernunft ist das Vermögen der Principien. Die Behauptungen der reinen Psychologie enthalten nicht empirische Prädicate von der Seele, sondern solche, die, wenn sie Statt finden, den Gegenstand an sich selbst unabhängig von der Erfahrung, mithin durch blose Vernunft bestimmen sollen. Sie müßten also billig auf Principien und allgemeine Begriffe von denkenden Naturen überhaupt gegründet sein. Un dessen Statt findet sich, daß die einzelne Vorstellung: Ich bin, sie insgesammt regiert, welche eben darum, weil sie die reine Formel aller meiner Erfahrung (unbestimmt) ausdrückt, sich wie ein allgemeiner Sat, der für alle denkende Wesen gelte, ankündigt und, da er gleichwohl in aller Absicht einzeln ist, den Schein einer absoluten Einheit der Bedingungen des Denkens überhaupt bei sich führt und dadurch sich weiter ausbreitet, als mögliche Erfahrung reichen könnte.

**

*) Wie das Einfache hier wiederum der Kategorie der Realität entspreche, kann ich jeht noch nicht zeigen, sondern wird im folgenden Hauptstücke, bei Gelegenheit eines anderen Vernunftgebrauchs eben deffelben Begriffs gewiesen werden.

Druck von E. Polz in Leipzig.

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